8. September 2011

Einquartierung




Einquartierung 
Klaus-Dieter Voigt
Es ist schon etwas besonderes, Gäste zu beherbergen. Aber diese Gäste sind etwas außergewöhnlich. Eine Amsel hat sich entschieden, einen Balkonkasten von uns als Wohnsitz einzurichten.


Der Amselvater fand das wohl auch nicht verkehrt.
Nun geht es los, das Nestbauen. Das macht die Mutti ganz allein, nur in der Ferne hört man den Vater, der mit seinem Gesang die Amselmutter ermutigt.
Und das geht alles recht schnell . Wir entschließen uns, den Blumenkasten mit den Alpenveilchen unberührt zu lassen. Nun im 24 Stundenrhythmus, ein Ei nach dem anderen, genau fünf Stück.
Und dann beginnt das Brüten. Geduldig sitzt sie auf dem kleinen Nest, ruckelt und schüttelt sich ein, nur selten eine Pause. Die nutzen wir zum Blumengießen. 
Aber sie läßt sich nicht vertreiben.
14 Tage sind um, die Jungen misten schlüpfen, aber wir wollen für 5 Tage nach Paris.
Kaum sind wir unterwegs, da entdecken Jutta und Peter beim Blumengießen-vier Junge sind geschlüpft.
Das fünfte Ei ist taub, die Mutter entfernt es bald aus dem Nest.
Sie wachsen schnell heran, aber ein Kleines ist ganz schwach, es kann kaum den Kopf heben, die anderen liegen schon auf ihm. Am Abend des gleichen Tages sind es nur noch drei im Nest.
Sie strecken ihre Hälse in die Luft, fallen wieder in sich zusammen, legen die Köpfe auf den Rand des Blumenkastens.
Es ist sehr heiß, die Frau Amsel setzt sich oft mit ausgebreiteten Flügeln über ihre Kinder und schützt sie so vor der brennenden Sonne.
Der Vater schafft genauso fleißig Nahrung heran, wie die Mutter. Sie finden nicht viel, es ist schon lange trocken und sehr warm.  Um 20.30 Uhr sehe ich nochmals den Vater anfliegen und füttern.
Die kleinen Hälse werden immer länger und länger.
Heute ist der 07.06.2011, es hat in der Nacht etwas geregnet, vielleicht finden sie so leichter etwas Futter.Da gibt es immer viel zu tun.
Wir bangen, freuen uns, hoffen ..
Es ist Pfingsten, am Freitag treffe ich in unserer Straße Leute vom Pflegedienst für die Außenanlagen. Meine Hoffnung erfüllt sich, sie kommen erst nach den Feiertagen zum Rasenmähen.
Ich rechne nach, 15 Tage sind Pfingstsonnabend um, sie müssen ausfliegen, dann haben sie noch drei Tage zur Stärkung - ohne Straßenlärm- ohne Motorenlärm der Rasenmäher, ohne die Gefahr, von den Maschinen erwischt zu werden.
Waltraud kommt an diesem Tag auf den Balkon und ein Vögelchen sitzt auf der Gießkanne auf der Balkoninnenseite. Was nun...

Man kann nur hoffen, dass die Eltern alle drei Jungen am Leben erhalten können. Schnell holt sie ein Tuch, setzt den Vogel auf das Nest zurück- plötzlich fliegen alle gleichzeitig aus dem Nest- im Gleitflug (der Balkon liegt Hochparterre). So schnell kann ein menschliches Auge nicht schauen, aber zwei blieben auf der Wiese vor dem Fenster und ein Junges flog über die Straße auf das andere Wiesenstück.





Wir beobachteten, wie die Eltern Futter suchten und konnten ein Kleines auf einem Zweig für längere Zeit wahrnehmen.
Das war eine wirkliche Freude, die wir beide still genossen.





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