Drei Generationen -eine Vision
Prof. Dr. Hartmut Kegler
Vorträge von Dr. Bettina Stier im Albert-Schweitzer-Freundeskreis Aschersleben sind immer ein besonderes Erlebnis. Die Vorsitzende des Albert-Schweitzer-Komitees e. V. Weimar belegt immer wieder mit ihren Ausführungen über das Wirken von Persönlichkeiten die Aktualität und Universalität einer Ethik der Ehrfurcht vor allem Leben als Grundprinzip des Sittlichen.Dieses Mal stellte sie den französischen Priester Abbé Pierre (1912-2007) und den französischen Schauspieler und Komiker Coluche (1944-1986) dem deutsch-französischen Philosophen, Theologen, Orgelvirtuosen und „Urwaldarzt" Albert Schweitzer (1875-1965) zur Seite. Sie gehörten verschiedenen Generationen an, lebten aber für dieselbe Idee: den Schwächsten der Gesellschaft nachhaltige Hilfe zu leisten. Schweitzer gründete 1913 sein Urwaldhospital bei Lambarene, das noch heute existiert und als eine der modernsten und leistungsfähigsten Kliniken des afrikanischen Kontinents gilt. In ihr finden über 6.000 Patienten jährlich stationäre Aufnahme und Behandlung. Abbé Pierre, der während des 2. Weltkrieges in der Resistance kämpfte, gründete 1949 die Hilfsorganisation „Emmaüs", die Obdachlose aufnimmt und ein Zufluchtsort für arme Menschen wurde. Er erreichte auch,dass das Recht auf Wohnung, ein von Schweitzer begründetes Menschenrecht, demnächst in die französische Verfassung aufgenommen werden soll. „
Emmaüs" beschäftigt heute 1.400 Angestellte und 10.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Abbé Pier ist wiederholt Schweitzer begegnet und hatte einen bewegenden Briefwechsel mit ihm. Coluche stammte aus einem ärmlichen Elternhaus und wurde ein berühmter Schauspieler und Humorist. Er gründete in Frankreich die „Restaurants des Herzens" und wurde ein Wegbereiter des bisher einzigen sozialistischen Präsidenten dieses Landes Mitterand. Die Organisation der „Restaurants des Herzens" bietet Bedürftigen kostenlose Mahlzeiten sowie juristische Beratung und führt sehr populäre Benefizkonzerte durch, die mit fantastischen Einschaltquoten von mehr als 50% verbunden sind. Deren Erlöse fließen den „Restaurants des Herzens" zu. Coluches Devise lautete: „Wenn ich dir ein bisschen helfen kann, dann komme zu mir!" So wie auch Schweitzer es ausdrückte: „Das Wenige das du tun kannst, ist viel - wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es ein Mensch, sei es irgendeine Kreatur." Heute gibt es über 2.000 dieser Restaurants, die von 55.000 freiwilligen Helfern in Frankreich betrieben werden. Auch in Erfurt, Leipzig und Mühlhausen wirken solche Einrichtungen. Straßen, Plätze und Schulen tragen Coluches Namen so wie auch den Namen Albert Schweitzers. Aschersleben kann ebenfalls auf drei verdienstvolle Einrichtungen verweisen, die den Namen des „Genies der Menschlichkeit" Albert Schweitzer tragen, an den im Patientenpark unseres Klinikums ein Gedenkstein mit einem von Gabriele Richter aus Augsburg geschaffenen Symbol erinnert. Ihn hat Dr. Bettina Stier mit ihrem Ehemann Andreas Stier natürlich auch aufgesucht.