Stiftung "Albert-Schweitzer-Gedenk- und Begegnungsstätte" und Albert-Schweitzer-Komitee e.V. Weimar
21. Juli 2011
Fünfzig Jahre Albert-Schweitzer-Freundeskreis Dresden
50 Jahre Albert–Schweitzer–Freundeskreis Dresden
Kurt Heimann, Meißen, ASFK DD
Im Jahre 2011 begeht der Albert – Schweitzer – Freundeskreis Dresden sein fünfzig- jähriges Bestehen. Der Freundeskreis entwickelte sich aus der Arbeit eines Mannes in Dresden, der sich um die Pflege vor allem des geistigen Werkes Albert Schweitzers verdient gemacht hat: Gottfried Schwär. Am 27.10.2009 starb dieser äußerst aktive Albert – Schweitzer – Freund im Alter von 93 Jahren in Dresden. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken und werden sein Andenken in Ehren halten.
Sein am 20.08.1959 in einem kleinen Kreis christlich – demokratisch gesinnter Menschen gehaltener Vortrag “Albert Schweitzer – ein Friedenskämpfer im Geiste des christlichen Humanismus“ war der zaghafte Beginn einer kontinuierlichen und beharrlichen Albert – Schweitzer – Arbeit in Dresden und Umgebung. Ihm ist es zu verdanken, dass sich in der Folgezeit ein Freundeskreis entwickelte, in welchem ab 1961 regelmäßig Treffen mit Vorträgen und anderen Aktivitäten stattfanden. Im ersten Rundbrief des Albert-Schweitzer-Konitees, der seit dem Jahre 1963 regelmäßig über die Albert – Schweitzer – Arbeit berichtet, schrieb Gottfried Schwär:
„In der CDU – Gruppe Fetzscherplatz in Dresden hielt ich einen Vortrag über den großen christlichen Denker. Die Zuhörer waren ergriffen von dieser einzigartigen, vielseitigen und unantastbaren Persönlichkeit. Sie begannen sich zu interessieren für den Arzt in Lambarene. Sie wollten mehr wissen. Auch sie waren innerlich erregt von unbeantworteten Fragen. Das elementare Denken war angeregt worden. In besonderen Zusammenkünften befassten wir uns dann mit der Gedankenwelt dieses lebens-bejahenden Ethikers. Im April 1961 sprengten wir den Ortsgruppen – Rahmen und der Schriftsteller Ernst Kurt Exner, der durch seine Vorträge bereits bekannte Kenner Albert Schweitzers, sprach zu den Versammelten, unter denen sich nun auch Freunde aus allen Teilen der Stadt, den verschiedensten Organisationen und Religionsgemeinschaften angehörend, befanden. Seit dem kommen wir jährlich zweimal zusammen. Immer wieder tauchen neue Gesichter auf. Alle sind sie bemüht, die Vergangenheit zu bewältigen, die Vorgänge in unserer Zeit zu verstehen und neuen Kulturidealen zum Durchbruch zu verhelfen.“
Das war der Beginn der „Zeitrechnung“ für den Albert – Schweitzer – Freundeskreis Dresden, wie es Gotfried Schwär selbst im Tagebuch des Freundeskreises vermerkt. Noch heute treffen wir uns, der Tradition folgend, zweimal im Jahr zu Vorträgen im Freundeskreis.
Die Tätigkeit des Freundeskreises zeigte bald erste positive Auswirkungen. Viele Menschen hatten „ihr“ Lambarene gesucht und gefunden. Es entstand der Begriff der „Ethik in Aktion“. Albert Schweitzer sagte: „Dass jeder in der Lage, in der sich er befindet, darum ringt wahres Menschentum an Menschen zu tätigen; davon hängt die Zukunft der Menschheit ab,.“ Das war der Ansporn für ihre humanitäre Tätigkeit (Unterstützung kranker und pflegebedürftiger Menschen z. B.). Es gab Fälle, da hat Albert Schweitzer von Lambarene aus dem Freundeskreis Hinweise auf Hilfsbedürftige im Raum Dresden gegeben.
Unterstützt, und auch etwas erleichtert, wurde die Arbeit des Albert – Schweitzer – Freundeskreises dadurch, dass am 28.01.1963 in der DDR das Albert – Schweitzer – Komitee (ASK) in Berlin gegründet wurde. Der Sitz des Komitees war in Dresden, beim Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes der DDR, dessen Präsident Prof. Dr. sc. Werner Ludwig gleichzeitig der erste Vorsitzende des ASK wurde. Viele Aktivitäten und Aktionen des ASK gingen vom Freundeskreis aus. Bis zur „Wende“ im Jahre 1989 wurden ca. 60 Zusammenkünfte mit anspruchsvollen Themen durchgeführt. In gesellschaftlichen Organisationen, staatlichen Einrichtungen und Namensträger – Kollektiven wurden von Albert – Schweitzer – Freunden mehr als 350 Vorträge gehalten! Viele Arbeitskollektive auf allen Ebenen, Schulen, soziale und kirchliche Einrichtungen, Straßen und Plätze trugen den Ehrennamen „Albert Schweitzer“.
Von Beginn an war, neben den bereits bekannten Schweitzer – Aktivisten, wie dem Schriftsteller Ernst Kurt Exner und dem Theologen und Schweitzer – Biografen Dr. Rudolf Grabs, auch OMR Dr. med. Horst – Peter Reichardt in der Schweitzer – Arbeit tätig. Von Anfang an war es auch das Bestreben des Freundeskreises, die Jugend in Schweitzers Gedankenwelt und sein Tätigsein für den Menschen einzubeziehen. Daher ist u. a. das „Jugendtreffen im Geiste Albert Schweitzers“ im Oktober 1971 unter Federführung von Dr. Reichardt hervorzuheben. Diese Tradition, d. h. die Jugendlichen für die Ideen und Ideale Albert Schweitzers zu begeistern und zu erreichen, dass diese im täglichen Leben umgesetzt werden, führen wir in der Gegenwart weiter fort. In den Jahren 2007, 2009 und 2011 nahmen z. B. an den Albert – Schweitzer – Tagen im SeniorenHaus „Albert Schweitzer“ in Riesa jeweils zwei neunte Klassen im Rahmen ihres Ethik- und Religionsunterrichts teil. Vor allem Schulen, die den Namen „Albert Schweitzer“ tragen, führen Veranstaltungen, auch unterstützt durch den Freundeskreis, im Geiste Albert Schweitzers durch. Der Ausspruch, den Schweitzer sinngemäß sagte, es sind die kleinen Wasser, die den großen Fluss erst möglich machen, trifft den Kern unserer gemeinsamen, nicht immer leichten Arbeit.
In den Jahren nach der Etablierung des Freundeskreises wurde durch uns vor allem das geistige Werk Albert Schweitzers, z. B. durch Vorträge oder Unterstützung von Projekttagen in Schulen, in den näheren und weiteren Umkreis von Dresden getra-gen. In der Stadt Meißen z. B. wurden, ausgehend vom Albert – Schweitzer – Kollektiv der Tierzuchtorganisation in Meißen / Dresden, und angeregt durch einen Vortrag, den der Schriftsteller Paul Herbert Freyer aus Berlin zum einhundertsten Geburtstag Schweitzers in der Stadtbibliothek Meißen im Jahre 1975 hielt, mit dieser Einrichtung gemeinsam Albert – Schweitzer – Abende mit einer unterschiedlichen Themenwahl gestaltet. Im Mai 2009 fand der 14. Abend mit dem Referenten Werner Pauli, Oberamtsrat i. R. aus Nürnberg, und am 6.Mai 2011 der 15. Abend mit Frau Gisela Kegler aus Aschersleben statt.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem SeniorenHaus „Albert Schweitzer“ in Riesa wurde bereits erwähnt. Wir sind übrigens glücklich, im Gelände dieser Einrichtung die Kopie einer Albert – Schweitzer – Büste zu haben. Das Original wurde vom Bildhauer Gerhard Geyer, Halle, 1978 geschaffen und steht in Lam-barene. Die Vortragstätigkeit blieb und bleibt nicht auf Referenten des Freundes-kreises beschränkt. Zu Vorträgen konnten wir bisher Gäste aus vier Ländern, teilweise mehrfach, begrüßen (Frankreich, Schweiz und Tschechische u. Slowaki-sche Republik). Aus der Republik Polen war bisher noch keiner zu Vorträgen bei uns; das ist schade, muss aber nicht so bleiben! Wir hoffen und wünschen, dass sich dies noch ändert. Die Begegnung mit Dr. Boguslaw Stelcer und Mariusz Cybulski vom Schweitzerkreis in Poznan im Herbst 2008 im Haus der Kirche / Dreikönigskirche in Dresden anlässlich einer zweitägigen Albert – Schweitzer – Tagung unseres Freundeskreises ist eine erfreuliche Belebung unserer polnisch – deutschen Beziehungen. Schon zu Zeiten vor 1989 pflegten wir rege internationale Bezie-hungen. Aus naheliegenden Gründen waren das in der Regel die östlichen Staaten. Ausnahmen gab es allerdings auch. Dr. Reichardt war anlässlich von AISL – Tagungen in den Niederlanden und den USA. Neben den Ländern Ungarn, Bulgarien und der SU, waren es die Beziehungen mit Polen und der CSSR, die intensiver gepflegt wurden. Zu nennen sind vor allem Prof. Dr. Gaertner, Krakau, Frau Prof. Dr. Ija Lazari – Pawlowska, Lodz und die Albert – Schweitzer – Symposien in Holice (Tschechische Republik), an denen Freunde aus dem Dresdner Freundeskreis ab 1983 bis heute regelmäßig teilnehmen. Neben diesen offiziellen Kontakten gab und gibt es auch zahlreiche persönliche Freundschaften in Ost und West. Der Geist Albert Schweitzers verband uns damals, so wie er uns heute weiterhin verbindet.
Seit nunmehr zwölf Jahren ist die Arbeit des Albert – Schweitzer – Freundeskreises Dresden ohne das Haus der Kirche / Dreikönigskirche in Dresden nicht denkbar. Durch die Unterstützung dieses Hauses können wir unsere Veranstaltungen in Dresden (2x im Jahr) unter ordentlichen räumlichen Bedingungen und ohne zusätzliche Unkosten durchführen. Für die logistische Unterstützung, besonders auch bei den größeren Albert – Schweitzer – Veranstaltungen, sind wir MA Küfner und Kollegin Hartmann-Panajotow sehr dankbar. Unseren Bemühungen kommt auch entgegen, dass das Haus zentral gelegen ist.
Bis zu seinem 85. Lebensjahr (2001) war Herr Gottfried Schwär als Obmann unermüdlich und vielfältig wirksam und führte den Dresdner Albert – Schweitzer – Freundeskreis vorbildlich. Danach übergab er den „Staffelstab“ an ebenfalls lang-jährige, etwas „jüngere“ Schweitzer – Freunde weiter: Leonore Englmaier, Dresden, Dr. Horst – Peter Reichardt, Radeburg, Eberhart Wissel, Dresden und Kurt Heimann, Meißen. Sein Wunsch war es, seine langjährige, zielstrebige und gewissenhafte Schweitzer – Arbeit fortzuführen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist die Umsetzung dieses Wunsches oft schwierig. Aber selbst in dieser Situation ist uns Albert Schweitzer ein Vorbild. Ihm wurden seine Erfolge auch nicht in den Schoß gelegt.
Im Jahre 2011 wollen wir die Dokumentation, die wir anlässlich des 90. Geburtstages von Gottfried Schwär und des fünfundvierzigjährigen Bestehens unseres Albert – Schweitzer – Freundeskreises im Jahre 2006 angefertigt haben, ergänzt und erweitert um die folgenden fünf Jahre, herausbringen. Sie soll und wird erneut die Vielfalt der Bemühungen unseres Freundeskreises, vor allem um das geistige Werk Albert Schweitzers, darstellen.