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Zugriff am 02.05.2011
Landesdienst Rheinland-Pfalz / Saarland
Landesbibliothekszentrum ersteigert Schweitzer-Briefe an Speyerer Pfarrer LindSpeyer/Berlin (epd). Das Landesbibliothekszentrum (LBZ) Rheinland-Pfalz in Speyer hat Teile des Briefwechsels zwischen dem berühmten Theologen und Mediziner Albert Schweitzer und dem Speyerer evangelischen Pfarrer Emil Lind ersteigert. Bei einem Berliner Auktionshaus sei die Briefesammlung für 4.000 Euro erworben worden, sagte LBZ-Sprecherin Ute Bahrs am Mittwoch in Speyer dem epd. Der Schriftverkehr umfasse 29 eigenhändige Briefe Schweitzers an seinen Freund und Biografen Emil Lind aus der Zeit zwischen 1928 und 1965. Die Briefe aus dem Besitz der Lind-Erben waren Bahrs zufolge mit 3.500 Euro angesetzt gewesen. Der Vorsitzende des Vereins für Pfälzische Kirchengeschichte, Oberkirchenrat i.R. Klaus Bümlein, hatte die Korrespondenz im Versteigerungskatalog einer Berliner Autographen-Firma entdeckt und sich für den Erwerb eingesetzt. An der Finanzierung beteiligen sich neben dem LBZ die Stiftung der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer, die Kulturstiftung der Stadt Speyer, der Rotary Club Speyer sowie private Spender.
Neben der handgeschriebenen Korrespondenz zwischen Albert Schweitzer (1875-1965) und Emil Lind (1890-1966) enthalte die Sammlung auch eine Reihe von Briefen der Mitarbeiterinnen Schweitzers im gabunischen Lambarene, heißt es weiter. Der Briefwechsel vermittelte einen Einblick in Schweitzers Tätigkeit als Missionsarzt in Afrika und lasse die Entstehung von Linds biografischen Werken über Schweitzer miterleben.
Der Erwerb der Briefe ermögliche es, intensiver über die “komplexe Figur” Emil Lind zu forschen, sagte Bümlein dem epd. Der gebürtige Schwegenheimer sei einerseits ein profilierter Seelsorger und Autor von theologischen, philosophischen, kirchen- und zeitgeschichtlichen sowie volkskundlichen Publikationen gewesen.
Andererseits habe sich der Hauptorganisator des 400. Protestationsjubiläums im Jahr 1929 in Speyer tief in den Nationalsozialismus verstrickt, sagte Bümlein. Als Mitglied der judenfeindlichen nationalkirchlichen Bewegung Deutsche Christen habe er bis zum Kriegsende ein “Durchhaltechristentum” gepredigt und sich für ein “völkisches Christentum” stark gemacht.
Dennoch sei der ursprünglich liberale Theologe, der nach 1945 nicht mehr in den Dienst der pfälzischen Landeskirche zurückkehrte, “kein strammer Nazi gewesen”, sagte Bümlein. Wie der Friedensnobelpreisträger Schweitzer auf das Engagement Linds in der Nazizeit reagiert habe, sei ihm nicht bekannt. Lind studierte unter anderem bei Schweitzer in Straßburg Theologie.
Der Nachlass mit den historischen und kulturgeschichtlichen Arbeiten von Lind befindet sich den Angaben zufolge in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer. Das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer beherbergt den kirchlichen Teil. Emil Lind gelte als einer der profiliertesten Pfarrer in der Pfalz im 20. Jahrhundert, sein Nachlass werde zu Forschungszwecken rege genutzt, sagte Bahrs.