PRESSE - Info
Internationales Kuratorium gibt hochkarätige Preisträger bekannt:
Prof. Dr. Eugen Drewermann sowie Raphaela und Dr. Rolf Maibach erhalten den Internationalen Albert-Schweitzer-Preis
Preisverleihung am 28./29. Mai im Kurort Königsfeld – Dr. Franz Alt als Laudator
GÜNSBACH (ELSASS)/KÖNIGSFELD IM SCHWARZWALD - Mit der erstmaligen Verleihung des Internationalen Albert-Schweitzer-Preises an den renommierten deutschen Theologen, Psychoanalytiker, Schriftsteller und Kirchenkritiker Prof. Dr. Eugen Drewermann (Paderborn) sowie den als „Schweizer des Jahres 2010“ bekannten Kinderarzt Dr. Rolf Maibach und seine Ehegattin Raphaela Maibach-Simon (Ilanz/Schweiz) wird das mit Vertretern der Familie Albert Schweitzers und 14 nationalen und internationalen Schweitzer-Institutionen besetzte Kuratorium, welches die mit 10.000 € dotierte Auszeichnung auslobt, dem selbst gestellten Anspruch auf wissenschaftliche Reputation und humanitären Vorbildcharakter in sensationeller Weise gerecht.
Die aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Albert-Schweitzer-Hauses in Königsfeld im Schwarzwald entstandene und dank der großzügigen Dotation durch die Sparkasse Schwarzwald-Baar ermöglichte Initiative des Heilklimatischen Kurortes und Kneippkurortes zur Stiftung einer Internationalen Auszeichnung trägt dem Umstand Rechnung, dass der Königsfelder Ehrenbürger Prof. Dr. Dr. Albert Schweitzer – Friedensnobelpreisträger, Urwald-arzt und Philosoph, Theologe und Musiker - zu den bedeutendsten Universalgelehrten des 20. Jahrhunderts zählt.
Aktualität Schweitzers heute
Auf der Basis seines humanitären Wirkens in Lambarene und seiner eigenständigen „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ gibt sein Lebenswerk unserer Gesellschaft bis heute bei der Lösung aktueller Fragestellungen im Sinne eines Friedens zwischen den Völkern sowie eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Schöpfung wichtige Impulse. Dies gilt ange-sichts der aktuellen Diskussion über die Risiken der Atomenergie in besonderer Weise, war es doch Albert Schweitzer, dessen Osloer „Appell an die Menschheit“ 1957 mit seinen Warnungen vor den medizinisch-biologischen Folgen von Kernexplosionen und dessen 1958 veröffent-lichten Appellen „Friede oder Atomkrieg“ zu verdanken ist, dass 1963 der Moskauer Atomsperrvertrag geschlossen wurde.
Um dieses humanistische Erbe Schweitzers zu wahren und für künftige Generationen fruchtbar werden zu lassen, wurde in Königsfeld vor nunmehr 10 Jahren sein ehemaliges Wohnhaus, welches von 1923 bis 1957 der europäische Wohnsitz Schweitzers und seiner Familie war, als „Forum für Information und Kommunikation“ mit jährlich rund 2.500 Besuchern dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Internationale Auslobung des Preises
Aus Anlass dieses Jubiläums haben sich seine Familie und insgesamt 14 nationale und internationale Albert-Schweitzer- Institutionen und -Stiftungen weltweit zum Ziel gesetzt, durch die Verleihung eines künftig alle drei Jahre ausgelobten Internationalen Albert-Schweitzer-Preises insbesondere jungen Menschen sein Vermächtnis bekannt zu machen und dauerhaft in Erinnerung zu halten.
Wie der Königsfelder Bürgermeister Fritz Link, Initiator und Vorsitzender des Internationalen Verleihungs-Kuratoriums, jetzt bekannt geben konnte, haben sich die Repräsentanten der weltweiten Schweitzer-Organisationen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Holland, Österreich, Großbritannien, Amerika und dem afrikanischen Gabun bei ihrer Konferenz im elsässischen Günsbach Ende März entschieden, mit der Teilung des Preises sowohl an das geistige Werk Albert Schweitzers als auch an sein humanitäres Wirken als Urwaldarzt in Lambarene anzuknüpfen. Für jedes dieser zentralen Handlungsfelder werden verdiente Persönlichkeiten mit Vorbildwirkung für unsere heutige Gesellschaft ausgezeichnet.
Eugen Drewermann: „Mein Vorbild Albert Schweitzer“
Als Preisträger für den Bereich der Nachfolge im geistigen Werk Schweitzers fiel die Wahl des internationalen Kuratoriums auf den ehemals katholischen, deutschen Theologen, suspendierten Priester, Psychoanalytiker, Schriftsteller und bekannten Kirchenkritiker Prof. Dr. Eugen Drewermann aus Paderborn. Maßgebend hierfür war das engagierte Eintreten Drewermanns für den Schweitzerischen Gedankenkosmos, welches in der Überschrift des ersten Kapitels seines 2010 erschienenen, neuen Buches „Wir glauben, weil wir lieben“ in dem Bekenntnis gipfelt: „Mein Vorbild Albert Schweitzer“.
Wenn Schweitzer sich dazu bekannte, gegen diese Welt zu leben, um sich sehr intensiv für eine humanere Welt, die alles Leben einschließt, einzusetzen, so findet er in Eugen Drewermann einen ungewöhnlich kongenialen Bundesgenossen. Dies hat er in vielfacher Weise sowohl durch sein persönliches Handeln als auch durch seinen konsequenten, öffentlichen Einsatz für ein zeitgemäßes Christentum bewiesen. Damit kämpft er unver-drossen für eine Humanisierung unserer Gesellschaft und die Erhaltung der Schöpfung. In einem Brief vom 01. Mai 1904 an seine spätere Frau Helene Bresslau schreibt Schweitzer beispielsweise: „Und dann das Recht, ein Ketzer zu sein!“ Wenn man unter „Ketzer sein“ versteht, gegen den Strom der offiziellen Meinung von Kirche und Politik zu opponieren, dann kann Drewermann sich als Bruder im Geiste Albert Schweitzers fühlen.
„Das Recht, ein Ketzer zu sein!“
International bekannt wurde Drewermann, als ihm 1991 durch Erzbischof Degenhardt die katholische Lehr- und 1992 die Predigtbefugnis entzogen und er vom Priesteramt suspendiert wurde. Ursache waren strittige Ansichten Drewermanns in Fragen der Moraltheologie und der Bibelauslegung, so etwa die Jungfrauengeburt, Auferstehung oder Wunder. Auch zu den Themen Abtreibung, Wiederverheiratung Geschiedener, Sexualität und Friedenspolitik, Zölibat und Kleriker-Ideal hat Drewermann kirchenkritische Einwände vorgetragen, die sich aus tiefenpsychologischen Ansätzen speisen.
Ebenso wie Schweitzer analysiert Drewermann die abrahamitischen Religionen und vergleicht sie mit Buddhismus und Hinduismus, ins-besondere mit Blick auf den Menschen als Teil der Natur. Hieraus entstanden mehrere populärwissenschaftliche Werke zum Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften. Darüber hinaus setzt er sich für den Tierschutz ein und prangert die Umweltzerstörung an.
Drewermann hat sich zudem vielfältig allgemeinpolitisch geäußert, indem er etwa die Golfkriege und die deutschen militärischen Auslandseinsätze der Bundeswehr verurteilte. Er ist gegen den Kapitalismus, insbesondere das Zinssystem, hat Bedenken gegenüber einem ungezügelten Wirtschaftswachstum und spricht sich für die Möglichkeit der Sterbehilfe aus.
Drewermanns inhaltliche, in rund 80 Büchern veröffentlichte Ansätze sowie seine rhetorischen Fähigkeiten haben ihn zu einem viel gefragten Redner und Kommentator gemacht. Neben umfangreichen Vortragstätigkeiten in deutsch-sprachigen Ländern, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Kanada, den USA, Mexiko und Brasilien ist er oft Gast in Talkshows und hat seit 2008 eine eigene Radiosendung „Redefreiheit“ im Nordwestradio (Radio Bremen/NDR).
Raphaela und Dr. Rolf Maibach: „Ein Preis für Haiti!“
International bekannt durch die vom SFR (Schweizer Radio und Fernsehen) erst im De-zember verliehene Auszeichnung als „Schweizer des Jahres 2010“ wurde auch der Kinderarzt Dr. Rolf Maibach aus Ilanz, dem das Kuratorium nunmehr gemeinsam mit seiner Ehegattin Raphaela Maibach-Simon für deren humanitäres Wirken in einem Hospital auf Haiti den Internationalen Albert-Schweitzer-Preis zuerkannt hat. Hierfür hat Frau Maibach-Simon als erste Schweizerin bereits den Margaret-Golding-Preis erhalten.
Schon im Jahr 1996 begann das Ehepaar mit seinen tätigen Hilfseinsätzen im „Hôpital Albert Schweitzer“ (HAS) in Deschapelles auf Haiti, gelegen im Artibonite-Tal rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince, welches 1956 von Larry und Gwenn Mellon gegründet worden war. Sein Engagement in einem der ärmsten Länder der Erde limitierte das Paar anfangs auf sechs Wochen im Jahr, um während der Ferien helfend und arbeitend im Spital zu verbringen – sie als Laborantin und er als Arzt in der Kinderstation, wo er die Ultraschalldiagnostik einführte. 2006 verkaufte Dr. Maibach seine Praxis in Ilanz/Schweiz, zog mit seiner Frau nach Haiti, blieb vier Jahre und leitete seit 2008 bis im Spätsommer 2010 das HAS sogar als Klinikchef.
„Spital der Hoffnung“
Im Einzugsbereich des HAS leben rund 300.000 Menschen, die in der Klinik ambulante sowie stationäre Versorgung und medizinische Hilfe finden, zur Zeit vor allem vor der Cholera-Epidemie, die seit dem verheerenden Erdbeben vor einem Jahr grassiert.
Zur Zeit des Bebens befand sich Maibach im Urlaub zuhause. Mit dem ersten Flugzeug des schweizerischen Amtes für Entwicklungszusammenarbeit und dem Kathastrophenhilfscorps flog er am nächsten Tag in „sein Spital“. Das Elend war groß und Hilfe dringend notwendig: Maibachs Team hat im HAS über 1.000 Menschen notfallmäßig versorgt, offene Brüche operiert, zerquetschte Beine amputiert, eiternde Wunden desinfiziert. Die Patienten schliefen auf notfallmäßig ge-kauften Matratzen unter freiem Himmel bei 35 Grad. Eine Viertel Million Menschen starben und noch heute sind laut Unicef, dem Kinderhilfs-werk der Vereinten Nationen, noch immer 380.000 Kinder obdachlos oder leben in überfüllten Lagern.
Das HAS, von den Haitianern liebevoll „Spital der Hoffnung“ genannt, besteht mittlerweile ausschließlich aus haitianischen Ärzten und Krankenschwestern, die nach dem Vorbild des Albert-Schweitzer-Spitals in Lambarene im Interesse der Nachhaltigkeit einer medizinischen Versorgung vor Ort erfolgreich ausgebildet wurden.
Hilfswerk gegründet
Um das Spital auf Haiti auch finanziell zu unterstützen, gründete das Ehepaar Maibach zudem den Hilfsverein „Bündner Partnerschaft für das Albert -Schweitzer-Spital Haiti“. Dank ihres persönlichen Einsatzes entwickelte sich dieses kleine Hilfswerk zu einer wichtigen und unverzichtbaren Stütze des HAS (Spendenkonto: GKB 7002 Chur, Konto CK 393.606.600, Clearing 774, IBAN: CH 17 0077 4110 3936 0660 0).
Preisverleihung Ende Mai in Königsfeld
Die erstmalige Verleihung des Internationalen Albert-Schweitzer-Preises an die hochkarätigen Geehrten, die bereits alle erfreut zugesagt haben, wird am 28./29. Mai 2011 am authentischen Albert-Schweitzer-Wohnort Königsfeld im Schwarzwald stattfinden. Wie Bürgermeister Fritz Link versichert, wird den illustren Gästen aus ganz Europa ein breit gefächertes Programm geboten:
Literarische Rezeption Schweitzers heute
Bei der Auftaktveranstaltung am Samstag, 28. Mai, um 15 Uhr, im Haus des Gastes werden versierte Referenten und Autoren erwartet: Dr. Roland Wolf, Vizevorsitzender des Deutschen Albert-Schweitzer- Hilfsvereines, informiert dabei zunächst über „Lambarene – gestern und heute“.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach/Neckar findet sodann eine Autorenlesung zum Thema „Literarische Rezeption Albert Schweitzers heute“ statt, die mit einem Grußwort von Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für Literarische Museen und Gedenkstätten in Baden-Württemberg eröffnet wird.
Es folgen Lesungen der Autoren Prof. Dr. Dr. Nils Ole Oermann, Universität Lüneburg (aus: „Albert Schweitzer – eine Biographie“, München 2009), Prof. Dr. Ernst Luther, Halle an der Saale (aus: Albert Schweitzer -Ethik und Politik“, Berlin 2010) sowie Dr. Christian Jenssen, Berlin (aus: Friedrich Schorlemmer, „Albert Schweitzer – Genie der Menschlichkeit“, Berlin 2010). Die anschließende Diskussion wird moderiert von der Redaktion des Südkuriers, der als Medienpartner die Veranstaltung unterstützt.
Vielversprechendes Orgelkonzert
Am Abend wird mit einem exklusiven Konzert für Orgel und Klavier mit Prof. Thierry Mechler aus Guebwiller/Elsass im Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine an den Musiker und Orgelvirtuosen Albert Schweitzer erinnert. Mechler als Inhaber des Lehrstuhles für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation an der Musikhochschule in Köln, als Organist der Kölner Philharmonie und Träger des Prix d´Excellence, des Prix de Virtuosité (Paris) und des Europäischen Förderpreises (Dresden) verspricht mit seinem Konzert mit Werken von Franz Liszt, Johann Sebastian Bach und Eigenkompositionen zu einem besonderen Genuss für alle Orgel- und Klavierfreunde zu werden.
Dr. Franz Alt hält Laudatio
Am Sonntag, 29. Mai werden die Feierlichkeiten um 10 Uhr mit einem Ökumenischen Festgottesdienst im Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine fortgesetzt, bei dem neben den örtlichen Geistlichen als Festprediger der Schweizer Theologe Dr. Clemens Frey, Pfarrer an der Tituskirche Basel, mitwirken wird.
Nach einer um 11.30 Uhr stattfindenden Besichtigung und Führung im Albert-Schweitzer-Haus, dessen 10-jähriges Bestehen den Anlass für die Preisverleihung bildet, folgt als Höhepunkt um 15 Uhr im Kirchensaal der Herrnhuter Brüdergemeine vor einem Auditorium von rd. 600 Gästen der Festakt zur Verleihung des Internationalen Albert-Schweitzer-Preises.
Die politische Bedeutung der Preisverleihung wird nach der Begrüßung durch Bürgermeister Fritz Link, zugleich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Internationalen Verleihungs-Kuratoriums, durch Grußworte von Siegfried Kauder, Mitglied des Deutschen Bundestages, Berlin, und von Dr. Andreas Schwab, Mitglied des Europäischen Parlamentes, Brüssel, unterstrichen. Die Preisverleihung selbst wird eingeleitet von Laudationes auf die Preisträger, wobei es als besonderer Erfolg gelten kann, dass der aus Rundfunk und Fernsehen bekannte Journalist Dr. Franz Alt, Baden-Baden, die Laudatio auf Prof. Dr. Eugen Drewermann halten wird. Eine bedeutende Gemeinsamkeit zwischen Drewermann und Alt besteht darin, dass beide – wie übrigens mancher ihrer Generation – mit etwa 14 Lebensjahren geistig zu Schweitzer fanden, der ihnen Vorbild blieb. Franz Alt, als streitbarer Verfechter der Erneuerbaren Energien durch die aktuelle Debatte um den raschen Ausstieg aus der Atomenergie vielfach in Anspruch genommen, sagte spontan beim allerersten Telefonat freudig zu, denn „Ich habe Drewermann viel zu verdanken!“. Die Laudatio auf das Ehepaar Maibach wird Christoph Wyss, Präsident der Internationalen Albert-Schweitzer-Vereinigung, Günsbach/Elsass sprechen.
Nach dem Festakt, der vom Kammerorchester der Jugendmusikschule St. Georgen-Furtwangen e.V. unter Leitung von Petra Wolff mit Werken von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach umrahmt wird, findet für geladene Gäste ein abschließender Empfang im Helene-Schweitzer-Saal des Herrnhuter Hauses statt.
Tourist-Info Königsfeld
Rathausstraße 2 - 78126 Königsfeld im Schwarzwald
Telefon 0049.7725.8009-45
Fax: 0049.7725.8009-44
E-Mail: tourist-info@koenigsfeld.de