18. März 2010

Marianne Fleischhack

Marianne Fleischhack: „Helene Schweitzer“

Eberhart Wissel

Für Freunde des Spitals von Lambarene ist das Büchlein von 1965 aus der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin eine bekannte Lektüre. Es gibt nur noch das Buch „Helene Schweitzer Bresslau“ von Verena Mühlstein des Jahres 1998 aus dem C.H. Beck- Verlag München, das der treuesten Kameradin des Urwalddoktors gewidmet ist. 33 Jahre liegen zwischen den Betrachtungen der Autorinnen, 57 Jahre zwischen den Geburtsjahren der Frauen aus Ost und West. Diese Teilung setzt sich leider bis heute, 20 Jahre nach der Einheit Deutschlands, in den Schweitzer- Organisationen von Weimar und Frankfurt am Main fort. Da brachte einen Monat vor dem 135. Geburtstag von Albert Schweitzer bei der Premiere des „ Lebendigen Adventskalenders“ in Dresden aus dem Wirken von Pfarrer Michael Lehmann und bekannten Aktionen „ aus dem Westen“ beim Öffnen des 11. Türchens der Zufall eine Begegnung mit dem Pfarrer im Ruhestand, Herrn Fried Fleischhack. Bezüglich des i.R. meinte Pfarrer Horst Ramsch im Ruhestand, dass es „ in Reichweite“ heißen sollte, was die zahlreichen Einsätze besonders in der Weihnachtszeit für betagte „ Ruheständler“ betrifft. Der seltene Name Fleischhack weckte sofort mein Interesse und die Nachfrage bejahte die Verbindung zu Marianne Fleischhack, der Mutter des Gastes in der Adventsrunde, die 1896 in Dessau geboren wurde. Ihr „ Alter“, 21 Jahre jünger als Schweitzer, passt in die Schar der Verehrerinnen, die das Wirken in Afrika verfolgten bis hin zum persönlichen Dienen an dem armen Lazarus, wie Schweitzer die Wilden bezeichnete. Der Ausdruck ist keine Verachtung, sondern die kürzeste Beschreibung des Lebens der Eingeborenen vor der Kolonialzeit. Mit der Missionierung wurden die Wilden nutzbar gemacht für die Kolonialmächte. Schweitzer wollte dieses Tun mit wahrer Hilfe für die Menschen gutmachen. Die Anstrengungen und Entbehrungen dieses Idealismus und Dienens teilte seine Frau Helene erstmals 1913 bis 1917 mit ihrem Mann in der einstigen amerikanischen Missionsstation Kangwe von 1874, die 1892 von französischen Missionaren übernommen wurde unter dem Namen Andende. Nur selten wird ihrer Hingabe gedacht. Erstmals nahm sich Marianne Fleischhack der Lebensgeschichte an und schrieb das Büchlein über diese Persönlichkeit. Ausgebildet im Bibliothekswesen wie ihr Ehemann Curt Fleischhack war die Schriftstellerei für sie ein Nebenamt, das über ein Dutzend Bücher entstehen ließ. Sie entstammte zwar einer Eisenbahnerfamilie, was den mehrfachen Wohnortwechsel mit sich brachte, doch 1914 diente sie beim Roten Kreuz in Leipzig als freiwillige Helferin. Leipzig ist 1986 auch ihre Begräbnisstätte, nach dem sie kurz vorher in Weißig ihren Lebensabend verbrachte.