26. Januar 2010

Zum Kinofilm

Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika – der Kinofilm

Am Heiligabend 2009 um 10.30 vormittags war Kinostart dieses mit Spannung langerwar-teten Filmes. Eine gute Gelegenheit, dem häuslichen Trubel zu entfliehen.

Es ist ein Spielfilm und kein Dokumentarfilm. Davon muß man bei der Beurteilung ausgehen.

Und deswegen wurde er klugerweise auch nicht am Originalschauplatz, sondern in Südafrika

gedreht. Dort hatte man das Urwaldspital noch einmal aufgebaut.

Zeitlich spielt der Film von 1949 bis in die sechziger Jahre, das heißt, er beginnt mit dem wenig bekannten einzigen USA-Aufenthalt Schweitzers und seiner Frau Helene, dessen Anlaß, die Gedenkfeier zum 200. Geburtstag Goethes in Aspen/Colorado, verschwiegen wird.

Man nutzt diesen Aufenthalt, um Spannung aufzubauen und Schweitzers Diskriminierung in den 50er Jahren als Reaktion auf seine Antiatomkriegsaktivitäten herauszustellen. Daß dabei

das unheilvolle Wirken der CIA, sogar auch direkt in Lambarene, überzogen dargestellt wird,

muß man als „künstlerische Freiheit“ akzeptieren.

Die Person Albert Schweitzer wird sowohl als menschliche Ikone als auch mit einem Schuß nicht erwarteten, aber auch in Wirklichkeit vorhandenen, zum Teil beißenden Humors sympathisch dargestellt ohne dabei menschliche Schwächen wie Jähzorn, Probleme mit Frau und Kind und eine gewisse Selbstherrlichkeit zu verschweigen.

Seine Botschaft nach „Ehrfurcht vor dem Leben“ wird etwas einseitig auf Mensch und Tierwelt reduziert, Das macht sie aber nachvollziehbarer als die Einbeziehung des pflanzlichen Lebens, die selbst seine einzige Tochter Rhena zum Beispiel in Bezug auf

das Pflücken eines Blumenstraußes nicht ganz einfach nachempfinden konnte.

Wohl aber war Schweitzer dem Begriff der Ökologie nahe, ohne ihn direkt anzusprechen.

Daß er einen Tropenhelm trug und sich als Großer Bruder der Schwarzafrikaner empfand,

hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern entsprach der vorgefundenen Mentalität im Lande.

Sonst hätten ihn wohl die Afrikaner nicht so überschwenglich geehrt und geliebt.

Auch dass das Krankenhaus wider erwarten 15 Jahre nach seinem Tod in moderner Form

neu entstand und 45 Jahre danach unentbehrlich weiter tätig ist, spricht wohl sehr dafür,

dass das praktische Lebenswerk auch ohne Ikone existenzfähig ist.

Das bedeutsamste ist, dass durch den Film und einige in letzter zeit erschienene Bücher Name und Bedeutung Schweitzers wieder in das Bewusstsein der Menschen gelangt ist und damit unser bemühen um aktuelle Anwendung seiner Ethik unterstützt.

Dass wir am Heiligabend Vormittag nur drei Besucher waren im Dresdner Kristallpalast, ist wohl dem eigenartigen Premieretermin geschuldet. Er möge trotz der nicht gerade anregenden

offiziellen Filmkritik sein Publikum finden. Möglichst auch im Streit. Denn der belebt ! Und weckt weitergehendes Interesse.

Dr. Horst-Peter Reichardt, Radeburg